136 – Selbstdiagnose - Oder von der Pathologisierung des Normalen
15. Mai 2026
Dieser Typ ist toxisch!
Die ist doch einfach bordi....
Es triggert mich total, wenn Du das sagst!
Mit Narzissten spreche ich nicht!
Sorry, hab's verpeilt, das ist halt mein ADHS.
Das war voll das Trauma...
Psychologische Fachbegriffe und Konzepte haben es in den Alltag geschafft. Der Therapiesprech ist allgegenwärtig.
Einerseits hat das grosse Allgemeinwissen über psychologische Konzepte dazu geführt, dass viele Menschen sich selbst und andere besser verstehen und Stigmata abgebaut werden, andererseits werden die Begriffe und Konzepte sehr willkürlich und undifferenziert angewandt. Oft auch schlichtweg falsch.
Nicht jede schwierige Beziehung ist toxisch.
Nicht jede Abwertung ist Gaslighting.
Nicht jede emotionale Verletzung ist ein Trauma.
Und ein egoistisches Arschloch, ist manchmal einfach das: ein egoistisches Arschloch und noch lange kein Narzisst.
Wie kann Social Media helfen, psychischen Belastungen besser zu verstehen? Warum ist bei Selbstdiagnosen Vorsicht geboten? Was passiert, wenn psychische Störungen immer breiter gefasst werden, sodass eine Störung schneller vergeben werden kann?
In dieser Folge des Beziehungspodcasts «Beziehungskosmos» sprechen die Journalistin Sabine Meyer und die Psychotherapeutin Felizitas Ambauen darüber, wie gefährlich es sein kann, wenn auf Social Media mit wenigen Bullet Points eine psychische Diagnose in den Raum gestellt oder gar vergeben wird, was Selbstdiagnosen mit unserem Selbstbild machen und wieso ein Betroffenheitsstatus einen noch lange nicht zu Expert*innen in der Behandlung von psychischen Störungen macht.
Verwandte Folgen:
36 Ab auf die Couch
41 Depression, Angst, Sucht
89 Bedürfniskult
Buch zur Folge:
Wiesböck Laura: Digitale Diagnosen, Zsolnay-Verlag, 2025
